Werbeagenturen müssen umdenken

Die FAZ mal wieder, Holger Schmidt mal wieder. Er nimmt den Myspace-Google-Deal zum Anlaß für einen mal wieder sehr lesenswerten Artikel über die Zukunft des Werbemarktes im Allgemeinen und der Internetwerbung im Speziellen. Unbedingt ganz lesen!

Die Online-Werber, die jahrelang hart um Anerkennung und Aufträge kämpfen mußten, sind nun in einer komfortablen Lage: Die Werbekunden müssen zu ihnen ins Internet kommen, weil ihre Zielgruppen schon dort sind. Mindestens 15 Prozent der Medienzeit verbringen die Deutschen im Internet. Daß die Internetnutzer zudem eine weit höhere Kaufkraft als die Fernsehzuschauer haben und im Netz viel häufiger Produkte gesucht oder gekauft werden als in anderen Medien, erhöht die offensichtliche Diskrepanz zu dem mageren 5-Prozent-Anteil am Werbekuchen zusätzlich. Selbst die Werbeagenturen, die lange Zeit lieber Werbung im Fernsehen geschaltet haben, weil das für sie einfacher und lukrativer war, müssen nun umdenken.

Cinderella gesucht

OTTO Cinderella Contest 2006
OTTO sucht Frauen, die zeigen wollen, was in ihnen steckt. Von heute an können sich auf otto.de die potentiellen Cinderellas bewerben. Eine fünfköpfige Jury sucht unter allen Bewerberinnen die 100 Besten aus, die sich ab 10. August auf otto.de zur Wahl stellen. Jeder kann dann abstimmen und mitbestimmen, wer die OTTO Cinderella 2006 wird. Am 30. August steht fest, wer es unter die Top Ten geschafft hat.

Die zehn Besten nehmen an einem professionellen Styling und Fotoshooting teil. Danach heißt es noch einmal hoffen und bangen, denn mit neuem Selbstbewusstsein und im perfekten Look stellen die Finalistinnen sich erneut den kritischen Usern. Wer hier die Nase vorn hat, wird zur OTTO Cinderella 2006 gekürt.

Die Siegerin wird professionell abgelichtet und in einem Katalog der Frühjahrs-Saison 2007 abgebildet. Außerdem gibt es natürlich Preise, auch für die, die mit abstimmen.
Die Idee und die gesamte Online-Realisierung der Kampagne inklusive Film-Trailer (Ton an! Der war teuer!) stammen aus den SinnerSchrader Studios.

Die Googlelisierung des Fernsehens

Was ist eigentlich das Schlechteste am Medium Fernsehen? Das Programm? Teleshopping? Werbung? Weit gefehlt! Es ist die Bedienung des Mediums durch den Nutzer. Allein schon das Wort Bedienung in seiner Vieldeutigkeit, die vom Bedienen eines Kunden oder Gastes über das Handhaben und Steuern von Geräten bis zur militärischen Einheit reicht, die ein Geschütz bedient (vgl. Duden, Deutsches Universalwörterbuch).

Die Fernbedienung (und es bleibt ja nicht bei einer, sondern schnell ist das halbe Dutzend voll) dient längst nicht mehr der Sofakartoffel, der sie den Gang zum Gerät erspart. Sie macht mit ihrer kryptischen Handhabung den Zuschauer zum Diener des Mediums. Sie gleicht einem Zugangskontrollsystem, das die Eingabe schwer zu merkender Codes erfordert, bevor sich die Tür zum erstrebten Erlebnis öffnet.

Demgegenüber haben wir Digerati uns in zehn Jahren Internet und zwanzig Jahren PC an andere Standards gewöhnt. „The truth is that we already know what good looks like“, schreibt Alan Schulman, Chief Creative Officer der Agentur Brand New World, in einem Essay, auf den uns Nico Zorn aufmerksam macht.

The creativity and elegant simplicity built into user interfaces like Google, Apple’s iPOD® and OSX, Motorola’s RAZR, Visible World’s MiTV, and TiVo’s Favorites all demonstrate best practices in making it easy for the consumer to navigate choice. So much so that we’ve come to expect that same simplicity and elegance in everything we power up. And this is why we become so easily frustrated by everything from cable and satellite remotes, to digital cameras to printers whose manufacturers just don’t get it.

All is not lost. HDTV looks great. Broadband video is generating new revenue. Reality TV is withering and scripted drama is back in a big way.

But what excites me as a creator of advertising messages is the opportunity to re-invigorate television advertising with new creative units and contextual placements– if we can just re-invent TV’s navigation.

Imagine an iTunes-like home page coming up on your television complete with everything from „most watched“ to „recommendations for you“ to „From the NBC archives.“ Then, imagine all the opportunities for advertisers to contextually match their brand attributes to your content attributes and serve appropriately.

Will we get there?

Just ask Google.