Subjektivitätsanspruch und Unterhaltsamkeit

Auf der OMD habe ich Markus Willnauer von Value Mountain und Buzz Paradise getroffen. Markus hatte eine Kamera am Start und nutzte die Gelegenheit für ein kleines Interview über meine Erfahrungen mit dem Fischmarkt.

Meine Erfahrungen mit dem Interview: Das „und“ im Unternehmensnamen, seit 1999 abgeschafft, werden wir wohl nie los. Außerdem rede ich zu viel, zu schnell und könnte die eine oder andere Floskel ganz gut weglassen. Interessant ist auch, was der Kollege Kolbrück zu sagen hat.

Daimlerblog vor dem Start

Fast hätte die seinerzeit im Himmel geschlossene Firmenehe zwischen Daimler und Chrysler noch ihre hölzerne Hochzeit überstanden. Doch nun ist die Scheidung besiegelt, und am Donnerstag wird die Hauptversammlung das Suffix „Chrysler“ aus dem Unternehmensnamen meißeln.

Für die Marke Daimler ist das eine neue Wendung auf einer langen Irrfahrt. Denn auch wenn der Volksmund gern vom Daimler spricht, wenn ein Mercedes-Benz gemeint ist – der Markenname Daimler gehört Ford, und nach wie vor gibt es Jaguar-Varianten, die unter diesem Namen verkauft werden.

Die neue Ära beginnt Daimler mit dem Start eines Unternehmensblogs. Erste Vorzeichen waren schon im März zu sehen, als der Automobilkonzern einen Praktikanten für das Thema suchte.

Inzwischen hat Uwe Knaus, bei Daimler für Web-Kommunikation und Unternehmensblog zuständig, schon den nächsten Praktikumsplatz ausgeschrieben. Unterstützung hat er sich bei Edelmans Chief Blogging Officer Wolfgang Lünenbürger-Reidenbach geholt.

In den letzten Tagen hatte ich Gelegenheit, einen Blick auf den Blogprototypen zu werfen. Der erste Eindruck: Das Blogdesign ist ebenso bieder wie das der Unternehmenswebsite. Thematisch sieht es bis jetzt eher nach Gemischtwarenladen aus, was nichts Schlechtes sein muss. Denn die ersten Testbeiträge lesen sich teils ganz erfrischend.

Wie bei den meisten Blogs wird es darauf ankommen, dass die Autoren sich freischreiben und einen unkomplizierten Zugang zum Medium finden. Dann aber ist das Potential groß, denn in einem Konzern wie Daimler passieren viele Dinge, über die zu schreiben sich lohnt.

Micropublishing verändert das Web

Micropublishing

Liveblogging ist tot, es lebe Livetwittering. Veranstaltungen wie das gerade vergangene Barcamp Cologne 2 ziehen ihre digitale Spur längst nicht mehr allein in Blogs oder auf Fotos. Inzwischen gibt es Neuigkeiten in Echtzeit, kurz aber heftig.

Auf der next07 im Mai hatten wir dank unseres Sponsors Cellity eine große Twitter-Wand mit Kurznachrichten aus dem Auditorium. Warum? Wozu soll das gut sein? Und was ist so spannend daran?

Twitter ist nur der vielleicht prominenteste Vertreter für ein neues Genre von Micropublishing-Werkzeugen und für ein Phänomen, das die Kommunikation im Internet derzeit stark verändert. Die Rede ist von MicroMedia, von Echzeitkommunikation und auch schon von der Twitterization der Massenmedien. Der Trend zum Micropublishing schafft einen sozialen sechsten Sinn und bleibt nicht ohne Auswirkungen auf Blogs und Blogging.

Auf dem Fischmarkt werden wir uns in den kommenden Tagen mit Micropublishing, Microblogging & Co. etwas ausführlicher beschäftigen. Wie schon in der StudiVZ-Testwoche bleibt es nicht bei der akademischen Betrachtung. Ich werde einige konkrete Schritte tun und darüber berichten. Mehr dazu morgen an dieser Stelle.

Bei Twitter bin ich übrigens hier zu finden.

Write for the reader

Jason Fried in Signal vs. Noise:

Most copywriting on the web sucks because it’s written for the writer, not for the reader. Write for the reader. That is all.

Blogging is copywriting, too.

Höflichkeit ist optional

Der Fischmarkt ist seit jeher sehr zurückhaltend in Sachen Metablogging. Doch aus Anlass der seit Menschengedenken größten Metablogging-Veranstaltung auf deutschem Boden sei eine Ausnahme gemacht.

Warum ein Code of Conduct für die Blogosphäre nicht funktionieren kann, sagt keiner so schön und treffend wie Tony Long, der Luddite vom Dienst bei Wired:

Civility? They’re proposing a code of conduct for the blogosphere to ensure civility online?

Who’s kidding who here?

Before you can expect a bunch of utterly spoiled, self-indulgent bloggers (i.e. the kind who indulge in their online mudslinging) to practice civility, you might try restoring a bit of it to what passes for civilization these days.

Civility is all about self-restraint. It’s not about being told by someone else to say „no,“ but finding the inner resolve to say it to yourself. Call it self-discipline. Call it having a little class. Whatever name you give it, it’s almost completely absent from modern society.

And in a culture where idolatry of the crass and vulgar encourages the mantra of instant gratification and me-so-important, what the hell do you expect?

Which is why Tim O’Reilly’s proposal for a code of conduct won’t fly.

Unfortunately, you can’t just pass a bunch of rules to make incivility go away. Someone who has been getting his way since he was 2 and has grown up into a self-involved, bombastic narcissist isn’t going to have a come-to-Jesus moment just because he’s offended somebody’s sense of etiquette. You can put earrings on a hog but it’s still a hog, y’know?

So trying to impose some sort of artificial code on the blogosphere is pretty much a waste of time. Love the sentiment, though.

Wer weiterliest, findet auch gleich noch einen netten Rant zum Verhältnis von Blogging und Journalismus.