Jean-Remy und Peter

Klowand

Einen hab ich noch: Die Klowand-Affaire hatte bis jetzt noch nicht den Weg zum Fischmarkt gefunden. Nun aber macht Don Alphonso an der Blogbar auf ein nicht ganz unwichtiges Detail aufmerksam:

Denn mit Jean-Remy von Matt erwischt es nicht einen Startupper, sondern
einen erfahrenen Kommunikationsspezialisten. Den Mann, den manche für
den besten Texter des Landes halten. Den Gottvater der Werbebranche.
Und es erwischt ihn ausgerechnet bei der Kampagne, die wirklich jeder
kennt. Bei einer Kampagne, die sein Baby war. Das hat Impact wie eine
80mm-Granate.

Was mir Gelegenheit gibt, einen kleinen Seitenhieb auf Peter Kabel (Jung von Matt/next) unterzubringen. Der hatte nämlich im November im Fachblatt iBusiness wie folgt getönt:

Es gibt in Deutschland nur sehr wenige Online-Dienstleister", startet Peter Kabel seine Kampfansage, "die große Marken im Internet selbstständig führen und alleine aufbauen können." Besser
können das seiner Meinung nach schon die klassischen Werbeagenturen.
Die haben nämlich, wie mir Peter Kabel als gewissenhafter
Jung-von-Matt-Arbeitnehmer zu verstehen gibt, schlichtweg mehr
Erfahrung in der Markenkommunikation.

Vor allem in eigener Sache. Quod erat demonstrandum.

Abgesang

Martin Röll rechnet ab. Es klingt ein bisschen wie der Abgesang auf die klassische Werbung.

Es ist eben nicht die zentrale Frage, lieber
Andrew Robertson
, von welcher Qualität dein content und Deine
creativity sind, wie Du vorgestern in München vorgetragen hast. Das ist
zwar nett, aber bloß ein Wettrüsten in einem Bereich, der nicht mehr interessant
ist. Pack ein. Geh doch mal wirklich nachrechnen, welches Verhältnis
noch zwischen Deinen Werbeausgaben und dem Marketingerfolg steht. Das ist doch
Unfug, und tief drinnen weißt Du das auch.

Ich denke, das ist etwas voreilig. Auch klassische Werbung wird künftig an Effizienz zulegen, und zwar durch Automatisierung in einem Bereich, der zu Unrecht wenig Beachtung genießt: der Mediaplanung. Und dadurch werden Mittel frei, die in Kreativität investiert werden können. Allerdings nur dann, wenn diese Investition ihre Effizienz nachweisen kann.

Für den klassischen Markenartikler, der Reichweite braucht, führt an klassischer Werbung kein Weg vorbei. Ob sie nun stört oder nicht. Früher oder später wird auch über Google gebuchte Werbung stören. Und trotzdem gebucht werden, solange das Preis-Leistungs-Verhältnis stimmt.

Die Automatisierung der Werbung (2)

Heißt Automatisierung der Werbung, das Kreativität und Marken in der Werbung keine Rolle mehr spielen werden? Könnte man meinen, erwarte ich aber nicht. Im Gegenteil: Effizientere Werbung heißt, dass der (traditionell auf 50 Prozent geschätzte) Anteil der Werbung schrumpft, der nicht mehr ist als hinausgeworfenes Geld.

Der Werbekunde erreicht die gleichen Ziele mit geringerem Mediaeinsatz. Ist das eine schlechte Nachricht für die Werbeträger? Nicht unbedingt. Womöglich können auch sie von steigender Effizienz profitieren, weil effizientere Werbung für ganz neue Einsatzzwecke attraktiv wird. Wenn AdWords etwas bewiesen hat, dann doch dies: Auch Microbudgets können effektiv sein.

Vermutlich wird aber auch der Anteil des Werbebudgets steigen, der in kreative Leistung und Markenbildung investiert werden kann. Zumindest dann, wenn Kreativität und Marken tatsächlich ein Wettbewerbsvorteil sind. Wenn nicht – dann haben die Kreativen halt Pech gehabt.

Was bleibt unter dem Strich? Auch Kreativleistung muss künftig ihre Effizienz nachweisen. Das ist doch einen Effie wert.

Amazon mit eigener Internet-Show

Amazon_website
Geht jetzt los, worauf viele warten: Branded Entertainment, Exciting Commerce, Event-Shopping?

Jawoll – immerhin kündigt Amazon eine eigene Unterhaltungssendung an
(Details siehe de.internet.com)

Das Projekt soll der Kundenbindung dienen. Was wiederum heißt, daß breite Auswahl, gute Preise, Rezensionen, Suchmaschinen und noch viel mehr alleine es nicht länger reißen. Aufmerksamkeit wird also auch im E-Business teuer, selbst beim Marktführer.

Steampunker

Espressoporn Weil mir so ein Espresso-Fex gegenübersitzt, ein Steampunker und Kaffeemaschinist reinsten Wassers, sei der Hinweis auf den Artikel zur Espressomaschinenmanie (Perlentaucher) in der SZ vom Wochenende gestattet.

"Kaffee ist eine wässrige Lösung, Espresso ist eine Emulsion."

Eine echte Wachstumsbranche: Branchenführer Jura, betreut durch Jung von Matt, hat seinen Deutschland-Umsatz im letzten Jahr verzwanzigfacht (!).

Immer mehr Geld stecken die Hersteller ins Marketing, um ihre Geschäftsinteressen mit der entsprechend zelebrierten italianitá kulturell zu überhöhen. So bietet etwa die Firma Nespresso neben ihren Geräten dem Connaisseur im Internet auch so genannte Grand Crus an, Kaffeesorten in verschiedenfarbig eloxierten Vakuumkapseln. Verschickt werden sie wie handverlesene Preziosen in edlen Holzschatullen. Aber auch im nichtkommerziellen Bereich ist das Internet die Plattform der Kaffee-Kultisten. „Steamtalks“ oder „Männerblog“ heißen die Foren, auf denen die boys with toys über Aufschäumdüsen und Wasserhärten fachsimpeln.

Und nicht zu vergessen: Espressoporn.