Die online-marketing-düsseldorf bietet am 17. und 18. September 2008 nicht nur Glanzstücke des digitalen Marketings, sondern glänzt auch mit Innovationen für Blogger. Die Messe stellt für Social Media Worker und Blogger einen eigens eingerichteten Arbeitsbereich und Treffpunkt zur Verfügung. Um Anmeldung zu der Blogger Area wird gebeten.
Wer sich schon zuvor mit bloggenden Kollegen austauschen möchte, kann dies am Vorabend in Düsseldorf tun. Mario Sixtus und Djure Meinen organisieren am 16. September ein Warm-Up für Blogger. Informationen zur Anmeldung und alles weitere lässt sich hier finden.
Kongresse
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Enterprise 1.0 und Bildausfall aus Basel
Am Vorabend der reboot10 geschah der größte für die TV-Übertragung einer Fußball-EM anzunehmende Unfall: Das Bild vom Halbfinale Deutschland-Türkei fiel aus. Wie unter der Lupe zeigt dieser Ausfall die Schwäche zentralisierter und zentral kontrollierter kommerzieller Systeme.
Denn erstmals bei einer Sportveranstaltung hat die Uefa sämtliche TV-Sender dazu verpflichtet, das von ihr und damit dem Veranstalter selbst produzierte Fernsehsignal zu übernehmen. Das zentrale Sendezentrum in Wien war offensichtlich unzureichend mit Notstrom versorgt, sodass ein Gewitter durch kurze Stromunterbrechungen den sofortigen Reboot der Sendesysteme auslöste.
Der Trend zur Zentralisierung und Kommerzialisierung der Fußballübertragung ist nicht neu. Doch noch bei der WM 2006 durften ARD und ZDF das zentral produzierte Signal um eigene Bilder ergänzen. In diesem Jahr liefen auch diese Bilder über das Wiener Sendezentrum.
Free ist anders. Das Leitthema der diesjährigen reboot wird, auf den ersten Blick überraschend, sehr stark auf Unternehmen bezogen. Enterprise 2.0, so weit das Auge reicht. Kein Wunder: Nach der Webzwonullszene und den interaktiven Konsumenten, die sich mit Social Networks angefreundet haben, sind die Unternehmen die letzte Bastion des einsnulligen Webs.
Wenn Web 1.0 das nach überlieferten Prinzipen wie zentraler Kontrolle und und beschränktem Zugang organisierte Web war, dann ist das heutige Web free im Sinne der reboot10. Hier in Kopenhagen trifft sich heute und morgen eine Szene, die sich auf den Marsch durch die Institutionen Unternehmen vorbereitet.
Der Sendeausfall gestern hat die Verwundbarkeit hochprofessionalisierter, kommerziell betriebener Mediensysteme gezeigt. Trotz aller Unzulänglichkeiten sind Twitter, Qik & Co. heute schon schneller und emotional stärker als das sich selbst zu Tode hochgerüstete TV.
Wir werden sehen, ob heute wenigstens das TV-Bild stabil bleibt. Das Konferenz-WLAN hat bislang jedenfalls funktioniert.
HAL is not on Facebook
Heute habe ich gegen eine Regel verstoßen, als ich zum dritten Mal eine Rede von David Weinberger gehört habe. Es ist eine der (noch zu schreibenden) Regeln für erfolgreichen Konferenzbesuch, die da lautet:
Höre niemals öfter als einmal den gleichen Sprecher. Vermutlich wird er sich wiederholen und somit enttäuschen.
Doch für Spitzenredner wie Weinberger gelten andere Gesetze. Dachte ich. Der Co-Autor des Cluetrain Manifesto schreibt regelmäßig neue Bücher, die mehr sind als Variationen eines einzigen Themas. Beim ersten Mal sprach er im Wesentlichen über Small Pieces Loosely Joined, den Bauplan des Web. Beim zweiten Mal im vergangenen Herbst war gerade der Nachfolger Everything is Miscellaneous erschienen.
Ein neues Buch hat Weinberger in diesem Jahr nicht am Start. Deshalb klang, was er heute auf dem Berliner DMMK vortrug, wie eine neu abgemischte Version seiner größten Hits. Immerhin ist er nicht langweilig, sondern ein wirklich guter Redner und schlau noch dazu.
Das Zeitalter der Information ist vorbei, sagt Weinberger. In den ersten Jahrzehnten der elektronischen Datenverarbeitung war Informationalisierung angesagt: die Transformation komplexer Realität in maschinell zu verarbeitende Information. Es ging darum, Komplexität zu reduzieren, Kontext zu entfernen und zu kontrollieren.
Nebenbei bemerkt: Die Datenschutzdebatte dreht sich bis heute um die Kontrolle von Daten und um die Frage, wer sie ausübt.
Kontrolle skaliert nicht. Kontrolle ist angstgetrieben. (Kennt jemand Lenin?) Das Web ist außer Kontrolle geraten und wurde gerade deshalb zum Erfolg. In dessen Folge leben wir jetzt in einem Zeitalter des Überflusses, und das Problem ist nicht das Übermaß des Schlechten, sondern des Guten. Ein Luxusproblem.
Fort Business ist gefallen. Weinberger definiert Marketing als selektive Informationsfreigabe gegenüber Konsumenten (und Management entsprechend gegenüber Mitarbeitern). Heute wissen aber die Konsumenten mehr über das Produkt als die Hersteller, und sie reden miteinander.
Sein plakatives Beispiel: Wenn ich wissen will, ob ein Mini Cooper ein brauchbares Auto bei Schnee in Boston ist, dann frage ich nicht den Verkäufer, sondern Google, und finde die Antwort.
Das Web ist das Gegenteil von Informationalisierung. Im Web dreht sich alles um Links. Links fügen Kontext hinzu, statt ihn zu entfernen. Sie erhöhen die Komplexität und entziehen sich der Kontrolle.
Siehe Wikipedia, für Weinberger eine Kathedrale unserer Zeit, gebaut aus reiner Freude an der Sache selbst, also zutiefst menschlichen Beweggründen. Das Web verändert die Art, wie wir Menschen zusammenleben.
Einer der schönsten Sätze von David Weinberger: HAL is not on Facebook. HAL – der Computer aus dem 40 Jahre alten Film 2001 – hat keine Freunde. HAL war eine Ikone des Informationszeitalters, aus dem wir gerade dabei sind, uns zu lösen.
Neuer Player für Videos der next08
Die Videos der next08 lassen sich jetzt besser einbinden, zum Beispiel in Blogs wie dieses. Exxplain hat für diesen Zweck einen schlankeren Player entwickelt.
Die Videos spielen nicht von selbst, sondern müssen manuell gestartet werden. Der neue Code ist jetzt unter jedem Video auf der Konferenzwebsite zu finden.
Wie das aussieht, sei hier am Beispiel des von Sascha Lobo moderierten Elevator Pitch demonstriert – für mich ein echtes Highlight des Tages.
Die Zukunft des Musikgeschäfts
Dr. Stefan Glänzer, Gründungsinvestor und früherer Executive Chairman von last.fm spricht nach seinem next08-Vortrag über Musik als Bestandteil von Kommunikation und stellt die These auf, dass Musik in Zukunft für jedermann frei zur Verfügung stehen wird. Die Musikindustrie müsse sich neue Einnahmequellen neben dem klassischen CD-Geschäft erschließen, so die nicht ganz neue Schlussfolgerung Glänzers.
Er verweist auf den einzelnen Musiker als kreative Quelle des Musikgeschäfts und spricht über eine neu entstehende Kultur des Musikschaffens durch die neuen Möglichkeiten rückkanaliger mobiler Aufnahme- und Distributionsgeräte. last.fm basiere auf dem Motto „get realtime“, so Glänzer.
Bereits zur next07 sprach Glänzer über individualisiertes Radiohören.