Burdas Teilungsproblem

Hubert Burda wird schleichend enteignet. Von Google. Die verlinken auf die sauber recherchierten Artikel seiner Journalisten und helfen Lesern, diese zu finden. Das kann Google aber nur, meint Burda, weil seine Journalisten diese Artikel schreiben – und deshalb solle Google gefälligst dafür bezahlen. Klingt logisch.
In etwa so logisch, wie auf unabhängige Versicherungsmakler zu schimpfen, weil sie ihren Kunden Versicherungen verkaufen, die Versicherungskonzerne anbieten. Oder auf Autohändler zu schimpfen, weil sie Geld damit verdienen, Autos zu verkaufen, die ganz jemand anderes hergestellt hat.
Google verdient sein Geld damit, Nutzern zu sagen, wo sie finden was sie suchen. Burda lebt davon, Lesern das zu bieten was sie suchen. Google würde ohne Burda weniger verdienen, weil es weniger zu finden gäbe. Burda würde ohne Google weniger verdienen, weil weniger finden würden, was Burda bietet.
Klingt nicht gerade danach, als ob Burda von Google widerrechtlich ausgebeutet würde. Hier hilft kaum der von Burda gerufene Gesetzgeber, sondern eher die Spieltheorie: der Volkswirt nennt das Teilungsproblem.

Facebook? Jeff Jarvis wäre lieber Google

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Armes Facebook. Da gingen Jeff Jarvis (li.) und Umair Haque gestern auf der next09 hart mit Facebook ins Gericht, und niemand war da, der sich wehren konnte. Javier Olivan, der bei Facebook die internationalen Geschäfte leitet, die Strategie entwickelt und die Internationalisierung von Facebook in Europa und weltweit verantwortet, hatte seine Teilnahme so kurzfristig abgesagt, dass sein Name noch im gedruckten Programmheft stand.

andreas_van_de_castel.jpgEs wäre sicher spannend zu hören gewesen, was er oder auch andere Facebook-Manager auf die Einschätzungen von Jeff und Umair entgegnet hätten. Zwar war der Mitarbeiter Nr. 1 von Facebook in Deutschland und Ex-StudiVZ-ler Andreas van de Castel (re.) auf der next09, seines Zeichens Country Manager Marketing Germany und für FAZ-Mann Holger Schmidt „die Überraschung des Tages“. Jedoch konnte er aus verständlichen Gründen (noch) nicht sprechen – zu frisch im Job.

Es gibt mehrere Arten, Kritik zu verpacken. Umair Haque, Direktor des Havas Media Lab, hat auf der Next09-Konferenz den verbalen Vorschlaghammer gewählt. „Wäre ich Facebook, würde ich mich vermutlich umbringen“, sagte er auf einer Podiumsdiskussion darüber, wie das Internet etablierte Geschäftsmodelle weiterentwickelt.

Kaum weniger schonend formulierte Jeff Jarvis seine Kritik. „Facebook? Ich wäre lieber Google“, sagte der Betreiber des Blogs Buzzmachine, der als einer der wichtigsten Medien-Vordenker gilt. Google lege zumindest noch eine gewisse Experimentierfreude mit neuen Produkten an den Tag. Facebook dagegen habe seine Chancen nicht genutzt, ein innovatives Geschäftsmodell zu etablieren – und fokussiere sich nun auf den falschen Weg. Mehr noch: Nachdem Facebook zunächst Google in eine „Identitätskrise gestürzt“ habe, leide nun Facebook durch Twitter selbst an eben einer solchen.

Laut Jarvis habe Twitter Facebook in einem zentralen Punkt überrundet: Twitter unterstütze konsequent sogenannte bottom-up-Kommunikation – und das, in Gegensatz zur E-Mail, in Form eines öffentlichen Forums. „Twitter schafft Kommunikationskanäle, über die Nutzer direkt auf Firmen einwirken können“, sagte Jarvis. Facebook dagegen unterstütze hauptsächlich top-down-Kommunikation, es schaffe zusätzliche Kommunikationskanäle für Firmen, die eigenen Botschaften zu platzieren.

Auch Haque kritisierte Facebooks Kommunikationsstruktur. „Die erfolgreichen Geschäftsmodelle der Zukunft werden diejenigen sein, die einen permanenten Rückkanal zum Nutzer etablieren“, sagte der Medienforscher. Nur Firmen, die ihre Strategie an einem permanenten Feedback ihrer Kunden orientieren, könnten letztlich ihre vollen Möglichkeiten ausschöpfen. Kommunikationskanäle wie Twitter seien in diesem Sinne besonders effektive Mess-Werkzeuge.

Spiegel Online: Web-Visionär Jarvis nennt Facebook rückständig

Fotos: nextconference, FAZ

@jeffjarvis hält eine Keynote auf der next09

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Foto: Robert Scoble

Wir freuen uns auf eine weitere spannende Keynote auf der next09: Jeff Jarvis, der Autor von What Would Google Do?, wird am 5. und 6. Mai nach Hamburg kommen.

Jeff Jarvis ist der jüngste Neuzugang auf unserer kontinuierlich wachsenden Sprecherliste. Sein Name steht allerdings noch nicht im Programm. Wir werden in Bälde über das Wann und Wo seines Auftritts auf der Konferenzbühne entscheiden. Stay tuned!

Noch bis zum 15. März können Sie sich Ihr Frühbucherticket zur next09 sichern. Nutzen Sie die Chance, um sich jetzt für 490 Euro (zzgl. MwSt.) zu registrieren!

Ein unglaubliches Chart

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Als wir dieses Chart zum ersten Mal sahen, konnten wir es kaum glauben. Woher kommen diese seltsamen Höchststände beim Suchbegriff „next“, die sich seit drei Jahren in jedem Frühjahr wiederholen – und jedes Mal das Suchvolumen einer coolen und bekannten Marke wie Apple übertreffen?
Kann es wirklich sein, dass die next conference 2006, 2007 und 2008 für solche Ausschläge sorgt? Wow! Und wie wird das erst 2009 aussehen?

Too good to be true?

Noch ein Posting von der LeWeb’08 in Paris.

Es war keine Überraschung. Eine Firma dominierte die europäische
Web-Konferenz in Paris am Dienstag und Mittwoch: Google.
Hauptsponsor, Präsenz in Interviews und fast allen Panels. Und ein
Workshop-Track. Fünf Stunden lang habe ich die Google-Workshops verfolgt und
mich manchmal dabei erwischt, Ethnologe zu sein.

Die Google-Mitarbeiter zu beobachten war amüsant und beeindruckend zugleich. Sie sind sehr nett, sehr intelligent, sehr bescheiden, sehr
gute Präsentatoren – und das alles sehr sichtbar. Lernen sie das? Sind sie alle
wirklich so? Wollen sie der dominanten Rolle von Google ein Gegengewicht
geben? Ist das alles spontan oder geprobt?

Ich hatte nach fünf Stunden alle Antworten auf alles.google.com und eine Frage
offen: „Too good to be true?“

Laurent Burdin auf der LeWeb'08

Laurent Burdin, Beratungsgeschäftsführer von SinnerSchrader, auf der LeWeb’08