New Amazon

Der Relaunch vom Amazon.com (wir berichteten) scheint eher work in progress zu sein. Aktuell sehe ich zwar wieder den neuen Kopf – zwischenzeitlich erschien auch wieder der alte. Aber die neuen Produktseiten lassen noch auf sich warten. Oder vielleicht kommen sie auch gar nicht in der seinerzeit getesteten Version?

Nachzutragen wären noch der ausführliche Beitrag bei ebullshit und die Geschichte der Tab-Navigation von Amazon bei Functioning Form.

Klicks, Blogs und Tags

Anfang Juni findet in Berlin der Jubiläumskongress der Deutschen Marktforschung (mit Gala!) statt. Auch an dieser noblen (und nicht ganz billigen) Veranstaltung ist das Internet nicht spurlos vorübergegangen. So widmen sich am zweiten Kongresstag nach der Mittagspause gleich zwei Vorträge dem Konsumenten im Informations- und Internetzeitalter:

Keynote-Speech:
Klicks, Blogs und Tags: Perspektiven für die Marktforschung
Ph.D. Andreas S. Weigend, Shanghai/Stanford


Interaktive Medien: Konsequenzen für Konsum und Forschung

Dr. Margit Kling, eBay GmbH, Berlin

Insbesondere der Vortrag von Andreas Weigend dürfte spannend werden. Weigend war bis 2004 Chief Scientist von Amazon.com und ist heute Berater. Aus einem Focus-Interview vom Herbst 2004:

"Die stärkste Kompression unseres Lebens ist in unseren Suchabfragen im Web verschlüsselt. Denn ich sehe ja stets nach Dingen, die ich noch nicht weiß, aber wissen will. Wir sind die Suchabfragen, die wir gemacht haben. Quaero, ergo sum."

H&M: TV statt Plakat

H&M storniert seine berühmte Plakatwerbung und setzt künftig auf das Medium TV, meldet heute die FTD. Für das Werbemedium Plakat ist diese Entscheidung recht unerfreulich. Es gehört traditionell zu den Schlusslichtern unter den Werbeträgern, auch wenn es immerhin die Online-Werbung noch hinter sich lassen kann (jedenfalls laut Nielsen). Mit dem Schritt in Richtung Fernsehen liegt H&M im Trend, wie die FTD diagnostiziert:

Zahlreiche Handelskonzerne haben sich wegen der Absatzkrise für mehr
TV-Präsenz entschieden, in Deutschland etwa die Metro-Töchter Real und
Media Markt, Edeka und demnächst wohl auch Lidl.

Doch was bedeutet dieser Trend für das Medium Internet? Auf den ersten Blick nicht viel, denn dass die Supermarktketten keinen Grund sehen, stärker in Online-Werbung und -Vertrieb zu investieren, leuchtet unmittelbar ein. H&M hingegen will in diese Reihe nicht so recht passen, denn dessen Sortiment eignet sich durchaus für den Vertrieb via Internet.

Schlecht gepflegt

Der Shopblogger beschwert sich mal wieder, dass er ein neues Produkt im Laden stehen hat, über das sich der Produzent im Web beredt ausschweigt. In diesem Fall allerdings trifft er den falschen, denn die im März eingeführte Creme Jogò ist auf der Oetker-Website durchaus zu finden. Die Suche ergibt fünf Fundstellen.

Dennoch: Warum halten so viele Konsumgüterhersteller ihre Websites nicht so recht auf dem Laufenden? Ich vermute, da sind verschiedene Gründe im Spiel – angefangen von überkomplexen Content-Management-Systemen über unklare Prozesse (wer hat wann wen über was zu informieren) bis hin zu falschen Prioritäten: Möglicherweise sind vertriebliche Produkteinführung und klassische Werbung den Verantwortlichen einfach wichtiger als die Kommunikation in Echtzeit. Sie reservieren den großen Auftritt für die althergebrachten Kanäle und behandeln das Web als nachgeordnet.

Warum auch nicht, olange daraus kein Wettbewerbsnachteil entsteht? Der Hersteller, der sich zuerst bewegt, könnte sich hier einen Vorsprung verschaffen.

Click and Mortar – Die nächste Generation

Erinnert sich jemand an die Zeiten, als libri.de noch eine Innovation war? Damals ging es darum, dem stationären Buchhandel ein Fenster zum E-Commerce zu öffnen. Und nach wie vor bietet Libri die Möglichkeit, bestellte Bücher beim lokalen Buchhändler abzuholen und so die sonst vielfach fälligen Versandkosten zu sparen (was natürlich unattraktiv ist, solange Amazon Bücher kostenfrei versendet).

Nun gibt es aber tatsächlich einen Vorteil des Buchladens, den kein Online-Shop bieten kann: Er hält stets ein Sortiment vorrätig. Ist mein gewünschtes Buch im Laden vorhanden, kann ich es sofort kaufen, abholen und lesen. Es gibt durchaus Buchkäufer, die dies zu schätzen wissen.

Was wäre nun, wenn ich im Internet recherchieren könnte, ob mein gesuchtes Buch in einem nahe gelegenen Buchladen im Regal steht? Ich würde den Laden aufsuchen und dort kaufen! Jedenfalls, wenn es eilig wäre. Genau diesen Service bietet die US-Buchkette Borders, die ironischerweise eine Partnerschaft mit Amazon unterhält. Leider ist die Inventory Search auf der Website praktisch nicht aufzufinden, wie Eric G. Myers zu Recht beklagt.

Was Myers, der sich hauptberuflich mit Web-Strategie, -Management und -Design befasst, über sein Buchkonsumverhalten schreibt, ist Pflichtlektüre für jeden E-Commerce-Verantwortlichen im Buchhandel. In Deutschland kenne ich etwas mit der Inventory Search Vergleichbares bislang nur im antiquarischen Bereich: bei zvab.com (das übrigens von Mediantis betrieben wird, ehemals buecher.de) und abebooks.de. Aber das ist ja ein völlig anderes Geschäft.