Die Fliege des Kutschers. Die Moral des Tuns und die Konferenz next10

Eine Antwort von Laurent Burdin, Geschäftsführer Beratung von SinnerSchrader und Spezialist für Automobilmarketing.

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Kennen Sie die Fabel „Die Kutsche und die Fliege“ von Jean de la Fontaine? Eine Metapher für einen Charakterzug: wenig Nützliches bewegen, aber immer betonen, wie unentbehrlich man ist.

Eine Kutsche mit schnaufendem Sechsgespann
Fuhr einst eine starke Steigung hinan
Auf schlechtem Weg in Sonnenglut.
Sie stockte. Frauen, Mönche, Greise stiegen ab.
Da kommt eine Fliege her und tut,
Als mache ihr Gesumm den Pferden frischen Mut
Und sporne sie zu besserem Trab.

Ich kenne Ähnliches von vielen,
Die immer die Geschäftigen spielen.
Sie mischen sich in alle Dinge,
Als ob es ohne sie nicht ginge –
Und sind nur ungelegen überall.
Schmeißt sie hinaus mit Knall und Fall!

Kompletter Text hier.

Das ist auf jeden Fall mein Fazit aus der Konferenz und zum Stand der Internetbranche von heute. Einfach machen, nicht reden.

Machen! Neue E-Commerce-Konzepte wie myfab.com, neue Social-Media-Kultur wie Lego und neues Sexleben wie makelovenotporn.com.

Machen! Es ist Zeit, etwas für die Automobilindustrie, ihre E-Commerce-Aktivitäten und ihre Zukunft online zu tun. Ich mache es gern. Wir machen es gern.

E-Commerce und Neuwagen: Schluss mit dem Tabu

Das Kaufverhalten bei Neuwagen hat sich in den letzten Jahren verändert. Das Internet spielt eine viel größere Rolle als die deutsche Automobilbranche denkt. Über 90 Prozent der Neuwagenkäufer geben an, sich In der Entscheidungsphase vorab im Internet zu informieren (Quelle: Capgemini-Studie Cars Online 2009).
Jetzt ist die Zeit reif, E-Commerce für Neuwagen einzuführen. War die Probefahrt und der Besuch beim Händler vor Ort früher der wichtigste Bestandteil einer Kaufentscheidung, so verlagert sich die Entscheidungsfindung immer mehr ins Internet. Der Konsument hat gelernt, dass Autoplattformen, Teile und Motoren der Hersteller immer ähnlicher werden und damit austauschbar sind.
Damit fällt das Hauptargument „Probefahrt“ gegen die breite Einführung von E-Commerce für Neuwagen. Zumindest auf Seiten des Konsumenten. Für die Hersteller ist das bis heute noch tabu. Die Vertriebsregeln der letzten 30 Jahre sollen unbedingt beibehalten werden, um die Vertragshändler zu schützen.
Die Spielregeln werden sich jedoch ändern, weil der Konsument von heute das so verlangt und von anderen Branchen her kennt. Er konfiguriert schon seit einigen Jahren sein Auto selbst, er vergleicht Preise, Ausstattungen und Expertenmeinungen über das Internet, er schaut sich Berichte von anderen Autofahrer an und sucht das nächste Autohaus über Google Maps. Der nächste Schritt, der „Kaufen-Button“, fehlt bis heute.
Automarken in Deutschland werden das Tabu bald brechen müssen und Webshops bauen, um sich den Bedürfnissen der Konsumenten zu stellen. In Frankreich hat Renault mit renaultshop.fr einen ersten sehr interessanten Schritt in diese Richtung gemacht. Renault bietet seine Neuwagen über diesen Shop zum Verkauf an. Der Verkaufsabschluss und die Abwicklung finden über einen Händler in direkter PLZ-Nähe statt.
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Der deutsche Markt braucht solche Shops. Wer bricht das Tabu? Und wer nimmt so den digitalen Konsumenten mit?
Tabus sind dazu da, um gebrochen zu werden.

Zalando: Der Copy Shop Samwer kommt in Fahrt

Spätestens seit Zappos für großes Geld an Amazon ging, steht das Thema Schuhe auch im hiesigen E-Commerce auf der Agenda. Zu den ersten Bewerbern um die Position des Category Killers zählt Zalando aus dem Hause Samwer. Samwer? Zalando? Da war doch was? Richtig: Alando + Zappos = Zalando.
Das Start-up, das die drei Samwer-Brüder Anfang 1999 gründeten und im Sommer des gleichen Jahres an Ebay verkauften, hieß Alando und war eine Copycat von Ebay. Zehn Jahre später wiederholt sich ein Teil der Geschichte mit Zalando, einer Copycat von Zappos.
Doch damit nicht genug: Zalando kopiert nun auch schon mirapodo, das sich derzeit noch in der Private-Beta-Phase befindet. Martin Groß-Albenhausen hat sich für das Mailorderportal die Mühe gemacht und genauer hingeschaut. Faszinierend!

Neu ist es – aber eben ein Kind der „beta“-Kultur -, dass die Plagiate schon entstehen, bevor das Original auf dem Markt ist. Darum ist es um so wichtiger, dass ich mirapodo schon vor dem Start öffentlich machen konnte. So ist zumindest klar, wer hier bei wem abgekupfert hat.

mirapodo ist ein Kunde von SinnerSchrader.
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Strategien, Trends, Perspektiven. Der Onlinehandel 2010.

Der erste Deutsche Onlinehandelskongress findet am 24. Februar 2010 in Wiesbaden statt. Der Kongress mit dem Fokus auf Social Commerce steht unter dem Motto „Onlinehandel boomt – Wo liegen die Wachstumsfelder 2010?“.
Matthias Schrader, CEO von SinnerSchrader, hat den Vorsitz der neuen Jahresveranstaltung der Onlinehandel-Community. In seiner Eröffnungskeynote illustriert er die Herausforderungen und Perspektiven des Onlinehandels für dieses Jahr. Welche Themen werden 2010 prägen? Was sind die neuen Lösungen für mehr Erfolg im E-Commerce?
Das Kongressprogramm gibt mit 40 Referenten und Praxisvorträgen Einblicke in Strategien und Trends der Branche. Der Frühbucherpreis von 690 Euro ist noch bis zum 31. Januar verfügbar.